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Einblicke in die Geschichte von Pölling und Rittershof
„Wann und von wem dieses dem heiligen Bischof Martin eingeweytes Gotteshaus erbaut worden, ist nicht ausfindig zu machen.“ – Mit diesen Worten begann Pfarrer Johann Konrad Kees (1739-1796) seine umfangreichen Aufzeichnungen im „Pfarrbuch von Pölling“. Seine Feststellung in Bezug auf die Kirche gilt für die Ortsgeschichte überhaupt. Nachdem die Anfänge menschlicher Besiedlung des heutigen Pölling weit in die vorschriftliche Zeit zurückreichen, können sie zunächst nur über Funde belegt, die Gründung des heutigen Ortsteils der Stadt Neumarkt i. d. Opf. nur über einige Indizien eingegrenzt werden. Ältestes Zeugnis menschlicher Geschichte ist der Fund eines Stichels aus Silex (Feuerstein), der 1976 im Bereich des heutigen Gewerbegebiets gefunden wurde. Das Arbeitsgerät ist in die Mittlere Steinzeit zu datieren (8000-3000 v. Chr.). Funde aus der näheren Umgebung belegen eine kontinuierliche Besiedelung bis vor die Zeitenwende. Zu verweisen ist insbesondere auf die bronzezeitliche Grabanlage bei der Kirche St. Walburga in Holzheim (ca. 1500 v. Chr.). Siedlungsgebiet und Kulturraum wird der Landstrich um Pölling erst wieder im Zug der sog. bajuwarischen Landnahme im 6. und 7. Jahrhundert. Die Gründung des heutigen Pölling darf um das Jahr 600 angenommen werden. Darauf verweisen mehrere Indizien. Zum einen belegt der Ortsname das hohe Alter. Er leitet sich vom Personennamen „Pollo“ ab. Als echter ing-Ort ist er Hinweis auf eine bajuwarische Sippensiedlung eines Sippenältesten dieses Namens. Ein Blick auf eine geologische Karte verrät zum anderen, daß der alte Ortskern exakt am Rand der fruchtbarsten Bodenformation unserer Gegend liegt. Auch die anderen uralten Siedlungen (Berngau, Deining, Möning) weisen gleiche geologische Verhältnisse auf. Siedlungsstruktur (Haufendorf) und Flurform (Gewannflur) belegen ebenfalls eine Ortsgründung noch während der ersten bajuwarischen Siedlungsperiode. Im 8./9. Jahrhundert bildete unsere Gegend den Grenzbereich zwischen bayerischem Landausbau einerseits und fränkischer Territorienbildung andererseits. Die Gründung des Bistums Eichstätt hängt eng mit dieser politischen Situation zusammen. In Pölling verweist das Patrozinium des Hl. Martin auf die Gründung einer adeligen bzw. königlichen Eigenkirche spätestens um 800 unter fränkischer Einflußnahme. Pölling ist eine der Urpfarreien des Bistums Eichstätt und erstes kirchliches Zentrum des heutigen Großraums Neumarkt. Im Zuge der fränkischen Herrschaftskonsolidierung tritt auch der Pöllinger Ortsadel in Erscheinung, der während des gesamten Mittelalters in den Urkunden nachweisbar ist, allerdings ab dem späten 13. Jahrhundert in Pölling selbst keine Rolle mehr spielte. Erstes schriftliches Zeugnis für die Existenz Pöllings ist eine Eintragung in das Zinsbuch des Klosters St. Emmeram in Regensburg unter Abt Rupert (im Amt 1068 bis 1080). Dort heißt es: „Mazili de pollingan tradidit servuum suum super altare sancti Emmerani, ut quot annis v denarios persolvat. Testes Egizi, Racco, Liupmann, Wiziman.“ – „Mazili v. Pölling hat seinen Leibeigenen über den Altar des Hl. Emmeram [dem Kloster] übergeben, auf daß er alljährlich mit 5 Denaren abgelöst werde. Zeugen [dieses Aktes] sind Egizi, Racco, Liupmann und Wizimann.“ – Mazili v. Pölling war Angehöriger des Pöllinger Ortsadels und selbst von freier Herkunft. Er entließ mit diesem Vorgang einen seiner Leibeigenen aus der persönlichen Bindung an ihn und übergab ihn in die Abhängigkeit zum Kloster St. Emmeram. Diese enge Verbindung zwischen Pölling und St. Emmeram ist Hinweis dafür, daß die Christianisierung wohl aus dem Regensburger Bereich erfolgt war; noch im 14. Jahrhundert hatte das Bistum Regensburg Zehntrechte im Gebiet der Pfarrei Pölling. Seit dem Hochmittelalter liegen für die Entwicklung der Ortschaft Pölling immer mehr schriftliche Zeugnisse vor. Die folgende Aufzählung soll ausgewählte Einblicke in das Leben der letzten 900 Jahren geben. 1068
| Erste urkundliche Erwähnung: Mazili von Pollingan. | | um 1150 | Entstehung des Pöllinger Taufsteins, Nachweis der Pöllinger Pfarrkirche als Taufkirche. | | um 1190 | Erwähnung eines Wigboldt von Bellingen. | 1249
| Ulrich von Bellingen unterschreibt den Stiftungsbrief des Zisterzienserinnenklosters Seligenporten. | 1254 | Gottfried von Sulzbürg übergibt das Patronatsrecht über die Pfarrei Pölling an sein Hauskloster Seligenporten. | 1278
| „dominus Hermanus“ ist Pfarrer („plebanus“) in Pölling. | 1329
| Heinrich Leuboldsreuter ist Pfarrer in Pölling, sein Grabstein ist in der Klosterkirche Seligenporten erhalten. | 1467
| Stiftung des Frühmeßbenefiziums, das im Zuge der Reformation untergeht. | 1504
| Im Zuge des Landshuter Erbfolgekriegs (1504/05) brennen Söldner der Reichsstadt Nürnberg das Dorf Pölling und die Heinrichsbürg nieder. | 1512
| 22 Nürnberger Reiter stören eine Gerichtssitzung in Pölling und nehmen den Wolfsteiner Pfleger Hugo Stör fest. Die reichsstädtischen Söldner ergriffen erst die Flucht, als man in Pölling und Neumarkt die Sturmglocken läutet und die Bauern zusammenlaufen. | 1548
| Der Pöllinger Pfarrer Johann Jäger nimmt an der Eichstätter Diözesansynode teil, die sich mit der reformatorischen Bewegung auseinandersetzt. | 1556
| Einführung der Reformation in Pölling, nachdem das Amt Wolfstein dem Witwengut der Pfalzgräfin Dorothea zugeschlagen worden war. | 1563
| Der neue evangelische Pfarrer Georg Weinmann beginnt auf Geheiß der Pfalzgräfin-Witwe Dorothea mit den Aufzeichnungen der Taufen, Eheschließungen und Sterbefälle in der Pfarrei Pölling. | 1568
| Mit der Nennung des Lehrers Utz Mettel wird erstmals die Existenz einer Schule in Pölling bezeugt. | 1582
| Absetzung des evangelischen Pfarrers Johann Weizer und Einsetzung des kalvinistischen Pfarrers Georg Spindler durch die Beamten des neuen Regenten, Pfalzgraf Johann Casimir. | 1618 - 1648
| Im Dreißigjährigen Krieg wird auch Pölling hart bedrängt, durch die unmittelbare Nähe zu Neumarkt ist es immer wieder im Zentrum grausamer kriegerischer Auseinandersetzungen. | 1622
| Nachdem die Oberpfalz von Herzog Maximilian v. Bayern erobert worden war, wird im Neumarkter Raum wieder das katholische Bekenntnis eingeführt. Erster katholischer Pfarrer in Pölling nach der Reformation wird Andreas Röhrl. | 1634/35
| Zwei Drittel der Bevölkerung wird durch die Pest dahingerafft. Im Bereich des Sebastian-Bildstocks unweit des neuen Friedhof wird ein Pestfriedhof angelegt. | 1705
| Mit dem hochgebildeten Johann Leonhard Rheinl wohnt erstmals wieder ein Pfarrer in Pölling selbst, nachdem die Pfarrei seit dem 30jährigen Krieg von Neumarkt aus versehen wurde. Unter Rheinl wird nicht nur ein stattlicher Barockpfarrhof erbaut, sondern das dörfliche Leben überhaupt zu einer neuen Blüte geführt. | 1770 - 1772
| Hungersnot: „Allenthalben stieg das Elend, Winseln, und um Brod Seufzen so hoch, daß die ganze Geschichte zurück niemahl dergleichen aufzuweisen hat.“ | 1772
| Amtsantritt von Johann Konrad Kees als Pfarrer, der als aufgeklärter Reformer und Ortshistoriker überregionale Bedeutung erlangte. | 1774
| Ankauf einer ersten Orgel für die Pfarrkirche. | 1824
| Bau des heutigen Turms der Pfarrkirche. | 1871/72
| Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Pölling. | 1888
| Gründung des Krieger- und Kampfgenossenvereins Pölling. | 1889
| Bau des Alten Schulhauses mit Lehrerwohnung und 2 Schulsälen. | 1896
| Am 1. Mai hält am neu errichteten Bahnhof Pölling um 5.30 Uhr der erst Zug. | 1902
| Gründung des Obst- und Gartenbauvereins Pölling. | 1904
| Einrichtung einer Postagentur. | 1905
| Einrichtung einer öffentlichen Telefonzelle im Haus des Krämers und Schuhmachers Schmid. | 1908/1909
| Wasserleitungsbau. | 1911
| Bau des heutigen Pfarrhofs. | 1912
| Gründung des Gesangsvereins Pölling. | 1923
| Versorgung der Ortschaft mit Elektrizität. | 1928
| Installation der elektrischen Straßenbeleuchtung. | 1929
| Kommerzienrat Hans Buchner wird Ehrenbürger von Pölling. | 1934 - 1936
| Bau der Pfarrkirche St. Martin nach den Plänen von Max Wittmann (Regensburg) – Bei der sog. Gruft, die beim Abbruch des Vorgängerbaus geöffnet wurde, handelt es sich um die Gräber der Pfarrer Georg Thanner (im Amt 1513-1518) und Johann Romnung (im Amt 1518-1543, † 1548). | 1945
| Kriegsende: in der Zeit vom 18. bis 20. April 1945 werden acht Wohngebäude und fünfzehn Scheunen völlig zerstört. | 1945
| Josef Schmidt wird durch die Militärregierung als Bürgermeister eingesetzt. | 1946
| Am 27. Januar wird Josef Rupp zum Bürgermeister gewählt. | 1948
| Am 9. Mai wird Josef Ochsenkühn zum Bürgermeister gewählt. | 1949
| Pfarrer Johann Baptist Arnold wird Ehrenbürger von Pölling. | 1950
| Gründung des Sportvereins Pölling. | 1951
| Am Sonntag, den 23. September, werden sechs neue Glocken geweiht: 5 für den Kirchturm, 1 für das Leichenhaus. | 1958/59/63
| Neubau einer sechstklassigen Volksschule; Umbau der Alten Schule in ein Verwaltungsgebäude. | 1963
| Nach historischen Vorbildern erhält die Gemeinde Pölling ein eigenes Wappen. | 1964 - 1972
| Bau der öffentlichen Kanalisation, umfangreiche Straßenbaumaßnahmen. | 1970
| Neubau des Kindergartens durch die Kirchenverwaltung Pölling. | 1972
| Durch die Gebietsreform verliert die Gemeinde Pölling ihre Selbstständigkeit. Der letzte Pöllinger Bürgermeister, Josef Ochsenkühn, der 24 Jahre die Gemeinde Pölling leitete, übergibt die Verwaltung an die Stadt Neumarkt. | 1972
| Bau einer Mehrzweckturnhalle bei der Volksschule. | 1976/77
| Neuanlage des Friedhofs am Höllbachweg. | 1978
| Gründung der Jugendblaskapelle Pölling. | | 1978 - 1985 | Flurbereinigung in Pölling. | 1991
| Renovierung und Neubau des Pfarrheims Charité. | 1993
| Neu- und Erweiterungsbau der Grundschule Pölling. | 2004
| Eröffnung der Ortsumgehung.
| 2009
| Renovierung des Kindergartens St. Martin.
| 2010/11
| Erste S-Bahn Richtung Nürnberg hält.
| | 2012 | Sanierung des Pöllinger Bahnhofs.
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Pölling hat im Lauf der letzten 50 Jahre eine rasante Entwicklung genommen, wie sie zuvor in der Geschichte nie stattgefunden hat. Dies läßt sich u. a. an der Entwicklung der Einwohner- und Häuserzahl verdeutlichen. 1775
| 528 Einwohner
| 91 Häuser | 1813
| 539 Einwohner | 87 Häuser | 1835
| 560 Einwohner | 92 Häuser | 1875
| 554 Einwohner | 105 Häuser | 1900
| 622 Einwohner | | 1939
| 758 Einwohner | 107 Häuser | 1950
| 1032 Einwohner | | 1960
| 1253 Einwohner | | 1970
| 1692 Einwohner | über 350 Häuser | 1980
| 1872 Einwohner | | 1990
| 2292 Einwohner | | 1994
| 2338 Einwohner | über 450 Häuser | 2000
| 2577 Einwohner | | 2004
| 2657 Einwohner | 757 Häuser |
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