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Pölling-Rittershof

CSU-Stadtverband
Hallertorstraße 16
92318 Neumarkt i.d.OPf.

Telefon 09181 / 2 25 49
Telefax 09181 / 1575

Email: stadtverband@csu-neumarkt.de

 
Einblicke in die Geschichte von Pölling und Rittershof
 

„Wann und von wem dieses dem heiligen Bischof Martin eingeweytes Gotteshaus erbaut worden, ist nicht ausfindig zu machen.“ – Mit diesen Worten begann Pfarrer Johann Konrad Kees (1739-1796) seine umfangreichen Aufzeichnungen im „Pfarrbuch von Pölling“. Seine Feststellung in Bezug auf die Kirche gilt für die Ortsgeschichte überhaupt. Nachdem die Anfänge menschlicher Besiedlung des heutigen Pölling weit in die vorschriftliche Zeit zurückreichen, können sie zunächst nur über Funde belegt, die Gründung des heutigen Ortsteils der Stadt Neumarkt i. d. Opf. nur über einige Indizien eingegrenzt werden.

 

Ältestes Zeugnis menschlicher Geschichte ist der Fund eines Stichels aus Silex (Feuerstein), der 1976 im Bereich des heutigen Gewerbegebiets gefunden wurde. Das Arbeitsgerät ist in die Mittlere Steinzeit zu datieren (8000-3000 v. Chr.). Funde aus der näheren Umgebung belegen eine kontinuierliche Besiedelung bis vor die Zeitenwende. Zu verweisen ist insbesondere auf die bronzezeitliche Grabanlage bei der Kirche St. Walburga in Holzheim (ca. 1500 v. Chr.).

 

Siedlungsgebiet und Kulturraum wird der Landstrich um Pölling erst wieder im Zug der sog. bajuwarischen Landnahme im 6. und 7. Jahrhundert. Die Gründung des heutigen Pölling darf um das Jahr 600 angenommen werden. Darauf verweisen mehrere Indizien. Zum einen belegt der Ortsname das hohe Alter. Er leitet sich vom Personennamen „Pollo“ ab. Als echter ing-Ort ist er Hinweis auf eine bajuwarische Sippensiedlung eines Sippenältesten dieses Namens. Ein Blick auf eine geologische Karte verrät zum anderen, daß der alte Ortskern exakt am Rand der fruchtbarsten Bodenformation unserer Gegend liegt. Auch die anderen uralten Siedlungen (Berngau, Deining, Möning) weisen gleiche geologische Verhältnisse auf. Siedlungsstruktur (Haufendorf) und Flurform (Gewannflur) belegen ebenfalls eine Ortsgründung noch während der ersten bajuwarischen Siedlungsperiode.

 

Im 8./9. Jahrhundert bildete unsere Gegend den Grenzbereich zwischen bayerischem Landausbau einerseits und fränkischer Territorienbildung andererseits. Die Gründung des Bistums Eichstätt hängt eng mit dieser politischen Situation zusammen. In Pölling verweist das Patrozinium des Hl. Martin auf die Gründung einer adeligen bzw. königlichen Eigenkirche spätestens um 800 unter fränkischer Einflußnahme. Pölling ist eine der Urpfarreien des Bistums Eichstätt und erstes kirchliches Zentrum des heutigen Großraums Neumarkt.

 

Im Zuge der fränkischen Herrschaftskonsolidierung tritt auch der Pöllinger Ortsadel in Erscheinung, der während des gesamten Mittelalters in den Urkunden nachweisbar ist, allerdings ab dem späten 13. Jahrhundert in Pölling selbst keine Rolle mehr spielte.

 

Erstes schriftliches Zeugnis für die Existenz Pöllings ist eine Eintragung in das Zinsbuch des Klosters St. Emmeram in Regensburg unter Abt Rupert (im Amt 1068 bis 1080). Dort heißt es: „Mazili de pollingan tradidit servuum suum super altare sancti Emmerani, ut quot annis v denarios persolvat. Testes Egizi, Racco, Liupmann, Wiziman.“ – „Mazili v. Pölling hat seinen Leibeigenen über den Altar des Hl. Emmeram [dem Kloster] übergeben, auf daß er alljährlich mit 5 Denaren abgelöst werde. Zeugen [dieses Aktes] sind Egizi, Racco, Liupmann und Wizimann.“ – Mazili v. Pölling war Angehöriger des Pöllinger Ortsadels und selbst von freier Herkunft. Er entließ mit diesem Vorgang einen seiner Leibeigenen aus der persönlichen Bindung an ihn und übergab ihn in die Abhängigkeit zum Kloster St. Emmeram. Diese enge Verbindung zwischen Pölling und St. Emmeram ist Hinweis dafür, daß die Christianisierung wohl aus dem Regensburger Bereich erfolgt war; noch im 14. Jahrhundert hatte das Bistum Regensburg Zehntrechte im Gebiet der Pfarrei Pölling.

 

Seit dem Hochmittelalter liegen für die Entwicklung der Ortschaft Pölling immer mehr schriftliche Zeugnisse vor. Die folgende Aufzählung soll ausgewählte Einblicke in das Leben der letzten 900 Jahren geben.

 

1068
Erste urkundliche Erwähnung: Mazili von Pollingan.
um 1150Entstehung des Pöllinger Taufsteins, Nachweis der Pöllinger Pfarrkirche als Taufkirche.
um 1190Erwähnung eines Wigboldt von Bellingen.
1249
Ulrich von Bellingen unterschreibt den Stiftungsbrief des Zisterzienserinnenklosters Seligenporten.

1254

Gottfried von Sulzbürg übergibt das Patronatsrecht über die Pfarrei Pölling an sein Hauskloster Seligenporten.
1278
„dominus Hermanus“ ist Pfarrer („plebanus“) in Pölling.
1329
Heinrich Leuboldsreuter ist Pfarrer in Pölling, sein Grabstein ist in der Klosterkirche Seligenporten erhalten.
1467
Stiftung des Frühmeßbenefiziums, das im Zuge der Reformation untergeht.
1504
Im Zuge des Landshuter Erbfolgekriegs (1504/05) brennen Söldner der Reichsstadt Nürnberg das Dorf Pölling und die Heinrichsbürg nieder.
1512
22 Nürnberger Reiter stören eine Gerichtssitzung in Pölling und nehmen den Wolfsteiner Pfleger Hugo Stör fest. Die reichsstädtischen Söldner ergriffen erst die Flucht, als man in Pölling und Neumarkt die Sturmglocken läutet und die Bauern zusammenlaufen.
1548
Der Pöllinger Pfarrer Johann Jäger nimmt an der Eichstätter Diözesansynode teil, die sich mit der reformatorischen Bewegung auseinandersetzt.
1556
Einführung der Reformation in Pölling, nachdem das Amt Wolfstein dem Witwengut der Pfalzgräfin Dorothea zugeschlagen worden war.
1563
Der neue evangelische Pfarrer Georg Weinmann beginnt auf Geheiß der Pfalzgräfin-Witwe Dorothea mit den Aufzeichnungen der Taufen, Eheschließungen und Sterbefälle in der Pfarrei Pölling.
1568
Mit der Nennung des Lehrers Utz Mettel wird erstmals die Existenz einer Schule in Pölling bezeugt.
1582
Absetzung des evangelischen Pfarrers Johann Weizer und Einsetzung des kalvinistischen Pfarrers Georg Spindler durch die Beamten des neuen Regenten, Pfalzgraf Johann Casimir.
1618 - 1648
Im Dreißigjährigen Krieg wird auch Pölling hart bedrängt, durch die unmittelbare Nähe zu Neumarkt ist es immer wieder im Zentrum grausamer kriegerischer Auseinandersetzungen.
1622
Nachdem die Oberpfalz von Herzog Maximilian v. Bayern erobert worden war, wird im Neumarkter Raum wieder das katholische Bekenntnis eingeführt. Erster katholischer Pfarrer in Pölling nach der Reformation wird Andreas Röhrl.
1634/35
Zwei Drittel der Bevölkerung wird durch die Pest dahingerafft. Im Bereich des Sebastian-Bildstocks unweit des neuen Friedhof wird ein Pestfriedhof angelegt.
1705
Mit dem hochgebildeten Johann Leonhard Rheinl wohnt erstmals wieder ein Pfarrer in Pölling selbst, nachdem die Pfarrei seit dem 30jährigen Krieg von Neumarkt aus versehen wurde. Unter Rheinl wird nicht nur ein stattlicher Barockpfarrhof erbaut, sondern das dörfliche Leben überhaupt zu einer neuen Blüte geführt.
1770 - 1772
Hungersnot: „Allenthalben stieg das Elend, Winseln, und um Brod Seufzen so hoch, daß die ganze Geschichte zurück niemahl dergleichen aufzuweisen hat.“
1772
Amtsantritt von Johann Konrad Kees als Pfarrer, der als aufgeklärter Reformer und Ortshistoriker überregionale Bedeutung erlangte.
1774
Ankauf einer ersten Orgel für die Pfarrkirche.
1824
Bau des heutigen Turms der Pfarrkirche.
1871/72
Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Pölling.
1888
Gründung des Krieger- und Kampfgenossenvereins Pölling.
1889
Bau des Alten Schulhauses mit Lehrerwohnung und 2 Schulsälen.
1896
Am 1. Mai hält am neu errichteten Bahnhof Pölling um 5.30 Uhr der erst Zug.
1902
Gründung des Obst- und Gartenbauvereins Pölling.
1904
Einrichtung einer Postagentur.
1905
Einrichtung einer öffentlichen Telefonzelle im Haus des Krämers und Schuhmachers Schmid.
1908/1909
Wasserleitungsbau.
1911
Bau des heutigen Pfarrhofs.
1912
Gründung des Gesangsvereins Pölling.
1923
Versorgung der Ortschaft mit Elektrizität.
1928
Installation der elektrischen Straßenbeleuchtung.
1929
Kommerzienrat Hans Buchner wird Ehrenbürger von Pölling.
1934 - 1936
Bau der Pfarrkirche St. Martin nach den Plänen von Max Wittmann (Regensburg) – Bei der sog. Gruft, die beim Abbruch des Vorgängerbaus geöffnet wurde, handelt es sich um die Gräber der Pfarrer Georg Thanner (im Amt 1513-1518) und Johann Romnung (im Amt 1518-1543, † 1548).
1945
Kriegsende: in der Zeit vom 18. bis 20. April 1945 werden acht Wohngebäude und fünfzehn Scheunen völlig zerstört.
1945
Josef Schmidt wird durch die Militärregierung als Bürgermeister eingesetzt.
1946
Am 27. Januar wird Josef Rupp zum Bürgermeister gewählt.
1948
Am 9. Mai wird Josef Ochsenkühn zum Bürgermeister gewählt.
1949
Pfarrer Johann Baptist Arnold wird Ehrenbürger von Pölling.
1950
Gründung des Sportvereins Pölling.
1951
Am Sonntag, den 23. September, werden sechs neue Glocken geweiht: 5 für den Kirchturm, 1 für das Leichenhaus.
1958/59/63
Neubau einer sechstklassigen Volksschule; Umbau der Alten Schule in ein Verwaltungsgebäude.
1963
Nach historischen Vorbildern erhält die Gemeinde Pölling ein eigenes Wappen.
1964 - 1972
Bau der öffentlichen Kanalisation, umfangreiche Straßenbaumaßnahmen.
1970
Neubau des Kindergartens durch die Kirchenverwaltung Pölling.
1972
Durch die Gebietsreform verliert die Gemeinde Pölling ihre Selbstständigkeit. Der letzte Pöllinger Bürgermeister, Josef Ochsenkühn, der 24 Jahre die Gemeinde Pölling leitete, übergibt die Verwaltung an die Stadt Neumarkt.
1972
Bau einer Mehrzweckturnhalle bei der Volksschule.
1976/77
Neuanlage des Friedhofs am Höllbachweg.
1978
Gründung der Jugendblaskapelle Pölling.
1978 - 1985Flurbereinigung in Pölling.
1991
Renovierung und Neubau des Pfarrheims Charité.
1993
Neu- und Erweiterungsbau der Grundschule Pölling.
2004
Eröffnung der Ortsumgehung.
2009
Renovierung des Kindergartens St. Martin.
2010/11
Erste S-Bahn Richtung Nürnberg hält.
2012Sanierung des Pöllinger Bahnhofs.


Pölling hat im Lauf der letzten 50 Jahre eine rasante Entwicklung genommen, wie sie zuvor in der Geschichte nie stattgefunden hat. Dies läßt sich u. a. an der Entwicklung der Einwohner- und Häuserzahl verdeutlichen.

1775
 528 Einwohner
91 Häuser
1813
 539 Einwohner87 Häuser
1835
 560 Einwohner92 Häuser
1875
 554 Einwohner105 Häuser
1900
 622 Einwohner 
1939
 758 Einwohner107 Häuser
1950
1032 Einwohner 
1960
1253 Einwohner 
1970
1692 Einwohnerüber 350 Häuser
1980
1872 Einwohner 
1990
2292 Einwohner 
1994
2338 Einwohnerüber 450 Häuser
2000
2577 Einwohner 
2004
2657 Einwohner757 Häuser