24.11.10: Werner Thumann fordert Verbesserungen für die Innenstadt
Im Zusammenhang mit den derzeit laufenden, umfangreichen Diskussionen und Debatten zum geplanten neuen Einkaufszentrum am Unteren Tor und der dazugehörigen Verkehrsplanung wird immer wieder von allen Seiten beteuert, wie wichtig, ja geradezu entscheidend die Anbindung an unsere Neumarkter Altstadt ist, damit die derzeit noch vorhandene gute Struktur keinen Schaden nimmt.
Ein Stadtmarketingprozess wurde angestoßen, der sich zwar generell mit dem Marketing für die Stadt Neumarkt beschäftigen soll, sich derzeit jedoch auch aus verständlichen Gründen im Schwerpunkt mit der Verbesserung der Attraktivität der Altstadt, zusammen mit dem neugegründeten Verein „Aktives Neumarkt“ beschäftigt.
Hierbei soll jedoch nicht vergessen werden, dass sich die bisherige Werbegemeinschaft, der Tourismusverband, der Hotel- und Gaststättenverband, der Einzelhandelsverband, die Altstadtfreunde, das Industrie- und Handelsgremium, die Kommunalpolitik und vor allen Dingen eine aktive Unternehmerschaft seit Jahrzehnten stets um eine attraktive Stadt Neumarkt erfolgreich bemüht haben und weiter bemühen.
Selbstverständlich hat die Altstadt aber auch mit gravierenden Problemen zu kämpfen, die unter anderem mit verändertem Käuferverhalten und einer starken Ansiedelung von Discountern und anderen Einkaufmöglichkeiten außerhalb der Altstadt erklärt werden können.
Auch die Etablierung eines Ärztezentrums in der Regensburger Straße, weit vor den Toren der Altstadt war sicherlich nicht hilfreich, ohne nochmals auf die Gründe hierfür einzugehen oder gar Vorwürfe in irgendeine Richtung zu formulieren.
Angesichts der kontroversen Debatten zum neuen Einkaufzentrum und dessen Wirkung auf die Altstadt und der Möglichkeit eines erneuten Bürgerentscheides wirken die plötzlichen Vorschläge von Oberbürgermeister Thomas Thumann hektisch, wenig durchdacht und in erkennbar beschwichtigender Absicht für die beunruhigte Neumarkter Kaufmannschaft, Hotellerie und Gastronomie.
Angesichts der gigantischen Zig-Millionen-Beträge, die im Zusammenhang mit dem Einkaufszentrum und der von OB Thumann favorisierten Tunnellösung aufgeworfen werden, verspricht der OB nun auch für die Altstadt „einige Millionen in die Hand zu nehmen“.
Dabei kommen dann überwiegend bekannte, ältere Vorschläge, wie die Überdachung der Klostergasse, der Bau einer Schrannenhalle am Unteren Markt, eine verbesserte Möblierung und eine Öffnung der Marktstraße am Rathaus für den Kraftfahrzeugverkehr.
Die CSU-Fraktion hat sich stets um eine attraktive Altstadt bemüht und vor wenigen Jahren, unter dem damaligen Fraktionsvorsitzenden Ferdinand Ernst umfangreiche Umgestaltungen im Bereich der Fußgängerzone am Rathaus eingefordert, die bis heute der Umsetzung harren.
In die aktuelle Diskussion um eine Verbesserung der Attraktivität und Erreichbarkeit der Neumarkter Altstadt bringt sich die CSU-Fraktion mit ihrem Vorsitzenden Werner Thumann nun mit einem konkreten Aktionsplan ein, der den Fokus wieder mehr auf zeitnah Realisierbares und unmittelbar Wirksames lenken soll. Hierbei sollte wohl auch wieder ein bisschen mehr Bodenhaftung erreicht werden und der Maßstab unserer durchaus selbstbewussten Stadt im ländlichen Raum nicht zu sehr durch verbales Millionengeschleudere verzerrt werden.
Aktionsplan der Neumarkter CSU für eine attraktive Altstadt
1. Einführung eines vollwertigen Parkleitsystems mit farbiger Kennung der jeweiligen Parkmöglichkeiten, Hinterleuchtung für die Nacht und Anzeige der jeweilig frei verfügbaren Plätze;
Anbringen von eindeutigen Übersichtstafeln mit schematischer Darstellung des Stadtplanes und der Lage der Parkhäuser an den Zufahrten zur Altstadt
2. Wiedereinführen der ersten kostenfreien Parkstunde in den Parkhäusern und der Tiefgarage
Zu diesen beiden ersten Punkten des Aktionsplanes, der das Ziel verfolgt Besuchern der Stadt die Orientierung deutlich zu erleichtern und wieder mehr Besucher und Kunden direkt in die Altstadt zu bringen, hat die CSU-Fraktion bereits am 18. September 2010 einen Antrag eingebracht , mit dem Ziel die Erreichbarkeit der Altstadt noch vor Baubeginn des Einkaufszentrums sofort zu verbessern.
3. Die Stadt Neumarkt sollte im Rahmen der Stadtentwicklungsplanung gezielt auf die Sortimentszusammensetzung und Geschäftsansiedelungen im Rahmen ihrer Möglichkeiten Einfluss zu nehmen.
CSU-Fraktionsvorsitzender Werner Thumann versucht nun bereits seit zwei Jahren, ausgelöst durch die Schließungen der beiden Edeka-Lebensmittelmärkte am Oberen und Unteren Markt, OB Thomas Thumann zu Verhandlungen mit Edeka zu bewegen.
Zwischenzeitlich ist es Werner Thumann sogar gelungen in kontinuierlichen Gesprächen mit Edeka die Vorlage eines konkret gefassten, schriftlichen Angebotes zu erreichen. Hierbei würde sich Edeka im Rahmen eines städtebaulichen Vertrages sogar zu einer Ansiedlung in der Altstadt verpflichten, falls zusätzlich ein größeres Edeka-Center in Neumarkt errichtet werden kann.
Die CSU-Fraktion lässt in ihrem Bemühen deshalb nicht locker, weil eine Lebensmitteleinkaufsmöglichkeit für die Altstadt essentiell ist.
Außerdem gelten natürlich für die Altstadt im Grundprinzip die gleichen Entwicklungsregeln wie für das neue Einkaufszentrum.
Wenn man im Einkaufzentrum große Ankermieter sucht, um die Grundattraktivität zu sichern, so muss es natürlich auch ein Ziel sein, direkt in der Altstadt sogenannte Frequenzbringer, wie eben beispielsweise Edeka anzusiedeln.
4. Seit vielen Jahren setzt sich die CSU-Fraktion für eine Verbesserung der Aufenthaltsqualität in der Altstadt ein. Dabei muss es in der Tat eine zentrale Forderung sein, nun endlich eine durchgängig gestaltete, einheitliche Möblierung mit Bänken und Pflanzgefäßen zu erreichen.
Ein erster konkret umgesetzter Schritt in diesem Jahr war die Bestückung des Unteren Marktes mit künstlerisch gestalteten, überdimensionierten Pflanztrögen, die von Fraktionsvorsitzendem Werner Thumann als Idee eingebracht wurde und in bester Kooperation zwischen dem Sponsor der Raiffeisenbank, dem städtischen Kulturamt, dem Bauamt und der Stadtgärtnerei umgesetzt wurde, nach dem Motto: „nicht reden sondern handeln!“
5. Die CSU-Fraktion setzt sich generell für ein Maßnahmenbündel zur Steigerung der gestalterischen Qualität unserer Altstadt, sie setzt sich für Charme, Atmosphäre und Flair unserer Heimatstadt ein. Nach der nahezu vollständigen Zerstörung Neumarkts in den letzten Kriegstagen gelang es den fleißigen Bürgern, weitblickenden Stadträten unter OB Theo Betz und hervorragenden Planern, wie vor allen Dingen Wiederaufbauarchitekt Hanns Meier, Neumarkt in kurzer Zeit in höchster Gestaltungsqualität sensibel wiederaufzubauen. Viele Besucher der Altstadt können es deshalb kaum glauben, dass sie sich in einer nahezu komplett wiederaufgebauten „neuen Altstadt“ befinden. Häufig wird Neumarkt schlichtweg „sehr schön“ empfunden.
Dieses bauliche Erbe gilt es behutsam weiterzuentwickeln. Reine energetische Sanierungsmaßnahmen in der Altstadt ohne ausreichende gestalterische Begleitung, führen zu unbefriedigenden Ergebnissen, die auf Putzstrukturen, wie den für Neumarkt typischen Münchner Rieselputz, die Fenstergestaltung, die Sockelausbildung, den Anschluss an die Nebengebäude und eine ansprechende, farbliche Fassadengestaltung zu wenig Rücksicht nehmen. Hier muss eine intensive Gestaltungsberatung der Eigentümer, eine Gestaltungsfibel, möglicherweise eine Gestaltungssatzung ansetzen.
6. Eine Öffnung der Durchfahrt durch die Fußgängerzone am Rathaus, die OB Thumann nun sehr kurzfristig, wohl auch unter dem Eindruck eines gewissen Protestklimas, hervorgerufen durch das neue Einkaufszentrum, in Aussicht stellt, muss von mehreren Seiten argumentativ beleuchtet und verantwortungsvoll abgewogen werden.
Die Argumente etlicher Gewerbetreibender, vor allen Dingen am Oberen Markt sind nachvollziehbar. Ihre Betriebe sind vor allen Dingen für Ortsunkundige mit dem Auto schwer aufzufinden und umständlich erreichbar.
Gleichwohl stellt die Sperrung der Marktstraße auch eine Errungenschaft dar, die viele Neumarkter Bürger eben wegen der verbesserten Aufenthaltsqualität sehr schätzen. Es muss daran erinnert werden, dass die Belebung der Marktstraße während und nach der Landesgartenschau mit Straßencafes und Außenbestuhlung vieler Lokale auch in Verbindung mit der Verkehrsberuhigung der Marktstraße zu sehen ist.
Wieder erheblichen Durchgangsverkehr durch die Marktstraße zu verursachen kann kein stadtentwicklungspolitisches Ziel sein - die Auffindbarkeit der Betriebe und Parkmöglichkeiten in der Altstadt zu verbessern sehr wohl.
Das neue Einkaufzentrum wird komfortabel und behindertengerecht erreichbar und im Zentrum selbst sozusagen eine komplett verkehrsberuhigte Fußgängerzone darstellen und damit gerade für Familien mit Kindern attraktiv sein, weil ein sorgenfreies Einkaufen ohne Beachtung des Verkehrs möglich ist. Diesen Vorteil in der Altstadt aufzugeben muss gut überlegt werden.
Es empfiehlt sich bei einer Entscheidung dieser Tragweite ohnehin die Einbeziehung der Bevölkerung durch Bürgerbeteiligung.
Da die Diskussion um das neue Einkaufszentrum, dessen Verkehrsanbindung und die notwendige Steigerung der strukturellen Attraktivität der Altstadt die Neumarkter aktuell sehr beschäftigt, wird die CSU sich mit weiteren konkreten Vorschlägen einbringen, die in der nächsten Ausgabe der RAUTE veröffentlicht werden.