Stellungnahme der CSU-Stadtratsfraktion zum Thema Hochschulstandort Neumarkt
Auf der Wunschliste der CSU-Stadtratsfraktion steht seit Jahren das Angebot von Bildungseinrichtungen oberhalb Abitur oder Fachabitur. Dies biete, so formulierte Fraktionsvorsitzender Dr. Sperber, jungen Menschen aus der Region zusätzliche Chancen, bringe aber auch die Stadt in das Blickfeld von Wissenschaftlern und Studenten von außerhalb. Mit der Kooperationsvereinbarung zwischen der Georg-Simon Ohm-Hochschule, dem Landkreis Neumarkt und der Stadt Neumarkt, die vom Stadtrat am 30. Juli gegen die zwei Stimmen von Flitz beschlossen wurde, sieht die CSU-Fraktion zwei wichtige Schritte getan. Zum einen bewegt sich die Stadt ein Stück Richtung „Hochschulstandort“, zum anderen bahnt sich die längst überfällige Zusammenarbeit zwischen Stadt und Landkreis für die Zukunft an.
Letzteres sei, so meint Bürgermeisterin Ruth Dorner, nicht nur zwingend notwendig, sondern biete auch die einzig echte Chance für das Projekt „Hochschulstandort“. Sie weist freilich darauf hin, dass diese Zusammenarbeit auf gleicher Augenhöhe zwischen Stadt und Landkreis nicht nur für die Finanzierung, sondern auch für die Mitwirkung gelten müsse. Im Vertrag wird die Leitung des Campus Neumarkt der Simon-Ohm-Hochschule übertragen und eine enge Abstimmung mit der Stadt und dem Landkreis Neumarkt festgelegt. „Die Stadt Neumarkt stellt für die Kooperation die gleichen gebäudlichen und finanziellen Ressourcen wie der Landkreis kostenlos zur Verfügung.“ Und die Koordinierungsgruppe wird mit „je zwei Vertretern des Landkreises und der Stadt sowie der Simon-Ohm-Hochschule eingerichtet“.
Nach Auffassung von Bürgermeisterin Ruth Dorner muss die genannte und beschlossene Zusammenarbeit ausgebaut und auf weitere Fachgebiete ausgedehnt werden, damit der „Hochschulstandort“ Neumarkt nicht nur der Bewältigung des zu erwartenden Studentenberges dient und nach dessen Abbau von den guten Ideen nichts mehr übrig bleibt.
Stadtrat Arnold Graf meinte, es gebe seit drei Jahren im Schauturm der Landesgartenschau bereits einen Studiengang für angewandtes Management einer privaten Hochschule aus Erding. Dort werde ein Abschluss Bachelor und Master als Diplombetriebswirt angeboten. Ab Herbst 2009 starte ein Studienzentrum Gesundheitsökonomie der Simon-Ohm-Hochschule am Klinikum Neumarkt, ab kommendem Wintersemester das Förderprojekt Umweltinstitut in Räumen des neuen Maybachmuseums. Ferner glänze Neumarkt mit der weit über die Stadt hinaus beachteten Reihe Architekturvorträge des BDA in der Residenz, wo im Herbst bereits der 50. Vortragsabend angeboten werde und im kommenden Frühjahr das Zehnjährige gefeiert werden könne. Auch das Baukompetenzzentrum, das am 1. Juli 2000 gegründet wurde, kann nächstes Jahr dieses Jubiläum feiern. Für diese Vielfalt müsse freilich eine organisatorische Grundstruktur geschaffen werden. Hier könne und solle man für die Zukunft ansetzen.
Gerade die wirtschaftlich vorhandene Kompetenz im Bereich Bau sollten wir in Neumarkt, so Ruth Dorner, unter dem Motto „Klimafreundliches Bauen, Wohnen und Leben“ einbringen und wissenschaftlich begleiten. Die Aspekte des Klimaschutzes, dem sich die Stadt verpflichtet hat, ließen sich gut in Projekten erforschen und in praxis- und standortnahen Firmen umsetzen. Dazu gehörten dann innovative Entwicklungen in Fragen der Sanierung und des Bauens im Bestand ebenso wie technische Entwicklungen in Sachen Wasser und Abwasser. Die Region Neumarkt habe gerade auf diesem Sektor, so Stadtrat Helmut Lahner, hervorragende Voraussetzungen in kompetenten Firmen für die Umsetzung technischer Innovationen. Ruth Dorner berichtete von einer geplanten und allmählich entstehenden Zusammenarbeit mit anderen Hochschulen, z.B. der TU München in Sachen Bau und Architektur, denn Konkurrenz belebe durchaus auch das wissenschaftliche „Geschäft“. Ähnlich wie mit der Simon-Ohm-Hochschule könnte auch hier über eine Stiftungsprofessur eine staatliche Anerkennung dieser Einrichtungen auf Dauer erreicht werden.
Wenn man in dem Kooperationsvertrag von einem Campus Neumarkt spricht, dann muss dieser Campus für Professoren und Studenten irgendwo sichtbar, erlebbar und nutzbar werden, dies war einhellige Meinung in der CSU-Fraktion. Als idealer Standort bietet sich dafür das im Zentrum der Kultur liegende und seit Jahren ungenutzte Stiftungsaltenheim am Residenzplatz zusammen mit dem alten Rotkreuzhaus an. Der dort beheimatete Kinderhort sollte möglichst bald - der Beschlusslage im Stadtrat entsprechend - an der Bräugassenschule entstehen und mit der zu erwartenden Ganztagesschule verbunden werden.
Im Zentrum der Stadt und inmitten von Reitstadel, Residenz und vielleicht doch noch Stadthalle könnte dann in bester Infrastruktur – einschließlich Tiefgarage - eine gemeinsame Anlaufstelle für die Verwaltung entstehen. Der Student/die Studentin muss wissen, wohin man sich wendet, wenn man in Neumarkt eines der Studien-angebote nutzen will. Die Sanierung und Umwidmung des Stiftungsaltenheimes in ein Wohnheim für Studenten kann dem allzu ehrwürdigen Residenzplatz ein wenig Leben einhauchen. Vielleicht wäre dies ja schon ein interessanter Wettbewerb unter Architekturstudenten, bei dem sie ein Vorzeigeprojekt für gelungenes klimafreund-liches Sanieren entwickeln können. Das Haus, so ergab jedenfalls die Ortseinsicht, bietet beste Voraussetzungen für Wohnen und Lernen in einer überschaubaren Anzahl von Studentenzimmern und Seminarräumen. Und der zum Haus gehörende Garten birgt nicht nur Ästhetik und Ökologie, sondern sorgt auch für die notwendige Erholung und Ruhe.
Wenn es dann, so Stadtrat und Kulturreferent Arnold Graf, zusätzlich noch gelänge, dieser wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Perspektive eine weitere geistig- künstlerische hinzuzufügen, dann wäre die Studien- und Kulturmeile Neumarkt ein attraktives Ensemble geworden. Immerhin hat der Reitstadel – ausgelöst durch seine gute Akustik und die herausragende Qualität der dortigen Konzerte – in der Musik-welt einen solchen Ruf erlangt, dass viele junge Künstler Wert darauf legen, hier einmal gespielt oder gesungen zu haben. Die Zusammenarbeit mit der Musikhoch-schule Nürnberg hat bereits begonnen. Und derzeit besteht die aktuelle Chance, anstelle der nicht mehr finanzierbaren Opernakademie eine Internationale Meistersingerakademie in der Form eines mehrwöchigen Ferienseminars nach Neumarkt zu holen. Diese vor wenigen Jahren geborene Idee ist inzwischen in Organisation und Finanzierung schon so weit gewachsen, dass für Neumarkt eine kleine Sommer-Festspielzeit entstehen könnte. Der Reitstadel macht es möglich! Der Stadt und dem Landkreis Neumarkt täte dies gut.